Tipps und Hinweise

für potentielle Russlandurlauber

Natürlich sind die hier genannten Erfahrungen aus unserer Sicht geschrieben. Es ist auch in Russland vieles im Fluss und kann sich schnell ändern. Durch die Größe des Landes sind sicher auch regionale Unterschiede möglich. Dieser eine Urlaub am Baikalsee im Jahr 2004 spiegelt sich hier wieder.


Das Visum

Bucht man eine Reise übers Reisebüro, gibt es Leute die sich darum kümmern. Individuell hat man diesen Service nicht. Auch Jack konnte das nicht organisieren, da nur lizensierte Reiseunternehmen und Hotels Einladungen und Buchungsbestätigungen erteilen können. Dies war ja bei uns nicht der Fall. Was macht man? Im Internet gibt es diverse Anbieter für solche Fälle. Uns war sicher nicht wohl bei dem Gedanken, wo unser Geld da landet. Doch siehe da - nach einigen Tagen trudelte tatsächlich eine Einladung direkt aus Russland per Fax ein! Diese reicht dann für die Visa-Beantragung. Das Original haben wir übrigens nie gesehen. Wenn man nicht den Reisepass selbst zur Botschaft tragen will, kann man wiederum diverse Dienste in Anspruch nehmen (meist in Bonn oder Berlin). Der Reisepass geht im Original dorthin und kommt nach einigen Tagen oder Wochen (hoffentlich) wieder per Post zurück! Aber das hat alles problemlos funkioniert.


Der Flug

Will man bei einer Fluglinie bleiben, so ist man auf Aeroflot angewiesen. Das hat den Vorteil, in Moskau nicht den Flufhafen (es gibt mindestens drei) wechseln zu müssen und evtl. im Fall verpasster Anschlüsse Unterstützung zu erhalten. Für unseren Urlaub im August wollten wir wollten schon im Frühjahr via Internet buchen. Die Internetangaben haben jedoch nur Empfehlungscharakter, weil Preise und Verfügbarkeit keinen Aussagegehalt haben. Mit einem Rückruf bei Aeroflot wurden wir uns dann doch schnell über Preis und Termin einig. Wichtig: Günstige Flüge in Urlaubsregionen (z.B. Baikalsee am Wochenende) sind beizeiten ausgebucht, also rechtzeitig buchen. Etwas abenteuerlich war die Bezahlung. Ein Ausdruck der Verbindungsdaten mit einer handgeschriebenen Kontonummer per Fax. Flug wird erst gebucht, wenn Geld überwiesen ist. Keine Rechnung, keine Buchungsbestätigung, einfach nix. Naja, Geld haben wir überwiesen, wieder Anruf bei Aeroflot. Nein, Tickets werden nicht per Post versendet, liegen aber bei Abflug am Schalter bereit. Mit gemischten Gefühlen sind wir dann ohne Tickets nach Schönefeld gefahren. Aeroflot-Schalter, 2 Stunden vor Abflug, geschlossen. Da sich noch andere mittlerweile eingefunden haben, keimte wieder Hoffnung auf. Und es hat dann alles reibungslos funktioniert.
Ankunft in Moskau (Scheremetjewo II) und Transfer nach Scheremetjewo I. Wir haben den Transfer von Aeroflot nicht gefunden, aber die Bekanntschaft mit -zig aufdringlichen Taxifahrern gemacht, als wir das Terminal verlassen hatten (Preise zwischen 20 und 40 Dollar!). Nach 10 Minuten kam der Linienbus und kostete umgerechnet ein paar Cent. Freundliche Leute haben uns ohne Aufforderung gesagt, wo wir aussteigen müssen.
Kommunikation auf Inlandsflughäfen überwiegend auf Russisch oder in unverständlichem Englisch. Im Falle von Verspätungen, Flugplan- oder Gateänderungen ist Achtsamkeit angebracht - weil man eine Änderung meist nur daran erkennt, das Bewegung unter die wartenden Massen kommt. Irgendjemend hat irgendwo irgendetwas erfahren. Tatsache ist, es stimmt meist.


Die Zeit

Nichts hat man mehr in Russland, als Zeit. Was jetzt und heute nicht wird, wird morgen oder nie. Das klingt etwas eigenartig für das hektische Leben hierzulande, man gewöhnt sich aber schnell daran. Los gings schon beim Inlandflug. Wir hatten zwei Inlandsflüge mit sechs und drei Stunden Verspätung. Anderen Urlaubern ging es ebenso, scheint also normal zu sein. Dies lässt sich auf Bus- und Zugverbindungen erweitern.


Die Sprache

Wir hatten den Vorteil, Russisch in der Schule gelernt zu haben. Viel hängen geblieben ist dabei zwar nicht, aber man kann alles lesen (aus unserer Sicht schon wichtig bei Individualisten!), ein paar Zahlen und ein paar Worte zur Orientierung.
Englisch spricht man nur in der Tourismusbranche, aber da flächendeckend. Ansonsten ausschließlich Russisch (auch auf Bahnhöfen, im Nahverkehr u.ä.)
Hilfsbereit und geduldig sind die Russen, wenn die Kommunikation nicht funktioniert. Wir haben uns überall halbwegs problemlos durchgeschlagen und betrachten die Sprachbarriere dafür als nicht allzu große Hürde. Schwierige Fälle (Arzt, Unfall, ...) sind uns zum Glück erspart geblieben. Als wir über die Angara wollten und die Fähre nicht gefunden haben, nutzten wir einmal den Komfort von perfekt russisch sprechenden Deutschen, die das gleiche Ziel hatten. Sonst wären wir vielleicht noch ein paar Kilometer weiter getippelt oder hätten die Sache aussitzen müssen. Irgendwie kommt man immer weiter ...


Die Sicherheit

Ein Russland-Kenner hat uns gesagt, alles hinter dem Ural sei sicher. Man kann das sicherlich nicht so verallgemeinern, aber wir haben uns zu keinem Zeitpunkt irgendwie bedroht gefühlt. Klar macht man sich Gedanken, wenn man auf dem Land völlig verbarrikadierte und vergitterte Kioske sieht und allein unterwegs ist. Aber wir haben im Nachhinein erfahren, dass dies hauptsächlich dem Wodka-Klau vorbeugen soll.
Thema Alkohol: Damit haben die Russen sicherlich ein Problem, Betrunkene gibt´s auch auf der Straße. Wir wurden einmal belästigt, aber eher in freundschaftlicher Absicht.
Wir sind in Irkutsk auch durch zwielichtige Viertel gegangen (man ist fast geneigt, zu den Burgen aus ausrangierten Cointainern Ghetto zu sagen), haben aber auch hier keine negativen Erfahrungen gesammelt - obwohl man sich unweigerlich als Tourist outet. Auch kann man nachts gefahrlos durch Irkustsk spazieren. Allgemein übliche Sicherheitsvorkehrungen sollte man trotzdem in jedem Falle berücksichtigen!
Im Zentrum von Irkutsk wurden wir durch aufdringliche Bettlerinnen mit Kindern belästigt. Aber auch hier sollte gelten: nichts geben, sonst wird die Bettelei noch schlimmer, so leid einem das Leid auch tut!
Im Übrigen macht man dem Anschein nach viel für die Sicherheit vor Anschlägen, so sind z.B. alle größeren Tunnel der Transsib schwer bewaffnet bewacht.


Die Verpflegung (bei Rucksacktouren)

Wir hatten aus Gewichtsgründen und in Unkenntnis der Versorgungslage vor Ort Lebensmitten für etwa zwei Wochen von zu Hause mitgenommen.
In den Gebirgen abseits von Straßen gibt es keinerlei Versorgungsmöglichkeiten - da ist alles Wildnis. In allen - auch noch so kleinen - Orten gibt es wenigstens Kioske oder Märkte, an denen man sein Reiseproviant auffüllen kann. In allen Städten gibt es Supermärkte mit westlichem Warenangebot. Wer also von Irkutsk startet, kann sich problemlos auch vor Ort mit allem notwendigen versorgen. Gleiches gilt für Olchon, dort allerdings nur in Chuschir, der "Hauptstadt" und dem einzigen größeren Ort auf der Insel.