Tag 13

Die Fahrt nach Olchon

Kurz vor Mittag ging es los. Bis Olchon sind es ca. 350 Kilometer, davon aber ein Drittel auf Schotterpiste. Die Fahrt ist schon etwas abenteuerlich. Da hier überwiegend gebrauchte japanische Fahrzeuge (Rechtslenker) fahren, sind die Überholmanöver immer recht riskant. Hinter LKW´s muss man schon auf der Straßenmitte fahren, damit der Fahrer überhaupt etwas sieht.

Vorbei an riesengroßen und unüberschaubaren aber verwilderten Ackerflächen durchfährt man kurz vor der Fährpassage auch eine Steppe, in der es nur selten regnet.

Die Überfahrt

Wir sind an der Fähre angekomen. Vorfahrt haben Busse, Marschrutkas und LKW´s. Nach den Einheimischen dürfen dann Private (wie wir) fahren.

Steppe

Die Fähre fährt nur im Stundentakt, obwohl die Überfahrt nur einige Minuten dauert, und egal, wieviele Fahrzeuge warten.
Da nur wenige Fahrzeuge vor uns sind, haben wir Hoffnung, dass alles schnell geht. Nachdem bereits die dritte Fähre ohne uns gefahren ist und wir nicht einen Startplatz weiter vorangekomen sind, wird Jack unruhig. Mit einem Marschrutka-Fahrer verhandelt er, dass wir für ein paar Rubel mitfahren können und er umkehrt. Welcher Trost ist da zu wissen, dass in der Hauptsaison die Fahrzeuge dreireihig stehen und zwei Tage warten müssen!

Die Insel

Da müssen wir hin!

Mittlerweile regnet es und das Warten macht kein Spaß mehr.

Wir sagen Jack, dass wir allein zurückfahren möchten und ernten dafür etwas Unverständnis.

Unser Marschrutka bringt uns die letzten 30km auf der Insel in den Ort Chuschir zu der uns empfohlenen Adresse.

Angekommen

Wir klopften an der Tür an und wollten übernachten. Nach einigen sprachlichen Verständigungs-
schwierigkeiten mit Nadeschda - unserer Wirtin - wurden wir überaus herzlich aufgenommen.

Die Familie hat eine neue Blockhütte mit zwei Zimmern für Gäste gebaut. Sehr einfach ausgestattet, aber sauber.
So oder ähnlich sind hier alle Quartiere. Hotels oder Pensionen gibt es (zum Glück noch) nicht, weil es einfach hier nicht hinpassen würde.
Sofort wurde für uns die Banja aufgeheizt und anschließend gab es Abendbrot. Einfache, russische Küche, aber schmackhaft.

Die Kirche von Chuschir

... wurde u.a. erbaut (oder rekonstruiert?) mit Hilfe der Deutschen, die hier einen Winter für die ZDF-Doku-Serie "Sternenflüstern" zu Gast waren. Diese Kirche lag direkt hinter unserm Haus auf einem Hügel.

Dunkelheit

Da es nur vereinzelt Strom gibt, ist nachts hier alles bis auf ein paar Glühlampen stockduster. Es gibt nur ein Notstromaggregat, dass schon jahrzehnte alt, abenteuerlich zusamengeflickt aber bis jetzt noch funktionstüchtig ist. Im Jahr 2005 soll die Insel Strom und Telefon erhalten. Gut für die Einwohner, etwas schade für die, die die Ursprünglichkeit hier suchten. Es ist zu befürchten, dass damit der Tourismus in ein nicht mehr vertretbares Maß ausgeweitet wird.